• Christina Lerner

Rau-, Kraft-, Saftfutter – was ist der Unterschied?

Aktualisiert: 12. Dez 2019

Jedes Kind weiß – Pferde fressen Gras und Heu. Dann gibt es da aber noch Hafer, Müsli, Mineralfutter, Karotten, Äpfel, Rübenschnitzel und noch vieles mehr.

Aber was und wie viel davon gesund für unsere Vierbeiner ist, weiß leider nicht jeder. Übergewicht, Hufrehe und Koliken, aber auch Stoffwechselerkrankungen sind die Folge.

Die Vorfahren unserer Lieblinge sind kilometerweit über die Steppe gelaufen. Gegrast wurde permanent und dabei sehr energiearmes und mageres Steppengras gefressen. Unsere heutigen Pferde haben da schon eine ganz andere Auswahl auf ihrem Speiseplan.

Man unterscheidet 3 Futtergruppen:

  1. Raufutter

  2. Kraftfutter

  3. Saftfutter


1. Raufutter

Das Raufutter kann man unterteilen in trockenes (Heu, Stroh) und feuchtes Raufutter (z.B. Heulage). Raufutter bildet die lebensnotwendige Basis jeder Pferdefütterung. Es ist faser-/struktur-/ cellulosereich und relativ energiearm.

Vom trockenen Raufutter, also von Heu und Stroh, sollten Pferde immer ausreichend und nach Belieben zur Verfügung haben, um eine intakte Verdauung zu gewährleisten. Man sagt, dass ein Pferd mindestens 0,5kg, besser noch 1kg kaufähige Rohfaser, also Heu und Stroh, pro 100kg Körpergewicht pro Tag fressen soll. Also ein Pferd mit 500kg muss pro Tag mindestens 5kg Heu und Stroh fressen können und dabei spreche ich von Freizeitpferden, welche keinen Hochleistungssport betreiben.

Der Pferdemagen ist nicht vergleichbar mit dem menschlichen Magen. Der Pferdemagen ist darauf ausgelegt permanent kleinere Futtermengen zu verarbeiten. Durch die Kaubewegung wird der Speichelfluss angeregt, der wiederum den pH-Wert im Pferdemagen konstant hält – der pH Wert der Pferdemägen, wie auch unser Magen, liegt bei 1 und ist damit extrem sauer. Durch den Speichel, dessen pH Wert im alkalischen Bereich liegt, kann die Magensäure etwas gepuffter werden. Hat ein Pferd länger als 4h kein Futter droht eine Übersäuerung. Ein klassisches Anzeichen für eine Gastritis, also eine Magenschleimhautentzündung, die durch eine Übersäuerung des Pferdemagens schnell entstehen kann, ist das “Leerkauen” oder auch Zähneknirschen. Dadurch wird der Speichelfluss angeregt und kann so, wie vorher beschrieben, die Magensäure puffern. Nicht nur für die Verdauung ist es wichtig, sondern auch um die Pferde zu beschäftigen und so Langeweile zu vermeiden, die zu blöden Macken wie Kopfnicken oder Koppen führen kann (v.a. bei alleinstehenden Boxenpferden ohne genügend Auslauf und Beschäftigung). Bei Offenstall-/Herdenhaltung ist Langeweile eher selten gegeben, aber auch hier gilt – 24h Zugang zu Heu und/oder Stroh trägt zu einer intakten Verdauung und zufriedenen Pferden bei.


2. Kraftfutter

Dazu zählen Getreidearten, wie Hafer, Gerste, Mais und Müsli.

Hafer ist gegenüber anderen Getreidearten relativ energie- und eiweißarm und ist sehr gut verträglich für unsere Vierbeiner. Pferde können die Nährstoffe des Hafers fast vollständig verwerten.

Gerste ist dagegen deutlich energiereicher und schlecht verdaulich.

Mais ist eiweiß- und rohfaserarm, aber dafür ziemlich fettig und schwer verdaulich.

Müsli gibt es in allen erdenklichen Mischungen und ist oft auch Haferfrei. Gerne enthalten die Mischungen zusätzlich zum Getreide auch noch Luzerne (energiereicher und höherer Fettgehalt als Heu), Kerne und meist auch Melasse (Rohrzuckersirup). Der Zusammensetzung sind keine Grenzen gesetzt – Müsli mit Alpenkräutern und Knoblauch oder ganz ohne Getreide, für Jungspunde oder betagte Rentnerpferde – für jeden ist etwas dabei.

Je nachdem was das Kraftfutter bezwecken soll, also z.B. eine schnelle Energiezufuhr vor oder nach einem anstrengenden Training oder als Zusatz zum täglichen Raufutter, muss auf die Zusammensetzung geachtet werden. Je mehr Rohfaser das Müsli enthält, desto weniger Energie liefert es aber im Gegenzug sind mehr Vitamine und Mineralien enthalten – also perfekt für das Freizeitpferd mit leichter Tätigkeit bzw. für leichtfuttrige Rassen, wie z.B. Islandpferde, geeignet. Trotzdem sollte Kraftfutter und Müsli keinen großen Platz auf dem täglichen Speiseplan einnehmen. Werden die Pferden im Distanzreiten oder auf Turnieren eingesetzt, brauchen eure Vierbeiner natürlich mehr Energie und Eiweiß, also auch mehr Kraftfutter.

Die tägliche Kraftfuttermenge sollte 0,5kg pro 100kg Körpergewicht nicht übersteigen. Maximal sollte also ein Pferd mit 500kg pro Tag 2,5kg Kraftfutter bekommen.


3. Saftfutter

Zum Saftfutter werden Futtermittel mit hohem Wassergehalt gezählt, wie z.B. Gras, Rübenschnitzel, Gemüse und Obst.

Zuckerrübenschnitzel sind sehr faserreich und appetitanregend, also gut für zu dünne Pferde geeignet. Allerdings ist ein hoher Pektin- und Zuckergehalt mit Vorsicht zu genießen.

Rote Beete mag nicht jedes Pferd, ist aber reich an Vitaminen und Mineralstoffe, wie Zink, Eisen und Phosphor. Die rote Knolle stärkt das Immunsystem, ist gut für Haut und Schleimhäute und schützt die Zellen.

Karotten kann man roh oder als Chips verfüttern. Aus dem enthaltenen Beta-Carotin bildet der Pferdeorganismus Vitamin A, das wichtig für das Immunsystem und die Schleimhäute ist. Bei Sommerekzemern, Stoffwechsel-erkrankte Pferde oder bei Hufrehe, sollten Karotten wenig bis gar nicht gefüttert werden, da sie auch sehr viel Zucker beinhalten.

Äpfel sind reich an Ballaststoffen, sowie reich an Zucker und Vitamin C. Übrigens können Pferde Vitamin C selbst im Darm produzieren – wir Menschen können das nicht und müssen die Askorbinsäure über die Nahrung aufnehmen.

Bananen gehören in keinen Pferdemagen. Das Obst ist zwar reich an Kalium, Calcium und Magnesium – gut für die Funktionsfähigkeit der Zellen und wirken gegen Durchfall, leider enthält es aber auch sehr viel Zucker. Und der ist alles andere als gesund für den Pferdedarm.

Dies soll nur ein kleiner Überblick und keine Ernährungsberatung darstellen.

Wie bereits oben erwähnt, kommt es immer darauf an, welche Rasse euer Pferd ist (also leichtfuttrige Rassen, wie Kaltblüter, Islandpferde, Ponys oder eben schwerfutterige Rassen z.B. Vollblüter) und welche körperlichen Betätigungen täglich anstehen. Ein Turnierpferd braucht deutlich mehr energiereiches Futter während der Trainings- und Turnierphase, also während seiner “Winterpause”. Ein Pony, dass 2x die Woche für Kinderreiten verwendet wird, braucht so gut wie kein Kraftfutter. Gerne berate ich Sie zur Ernährung Ihres Pferdes!

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Tierphysiotherapeutin und Tierheilpraktikerin

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